Informationen, Unterrichtsmaterial und Hilfestellungen
„Didaktische Agenten“ - das sind KI-basierte Chatbots für den Einsatz im Unterricht, die sich deutlich von generischen Sprachmodellen unterscheiden. Statt bloß finale Antworten zu liefern, sind sie als dialogische Lernräume konzipiert, die zum Nachdenken, Reflektieren, Üben, Verknüpfen und Vertiefen anregen sollen.
Neben exemplarischen Unterrichtsentwürfen und Literatur wurden ausgewählte didaktische Agenten aus den Fächern Mathematik und Deutsch nun auf www.lernen-digital.nrw veröffentlicht. Sie sollen nicht nur die digitalen Gestaltungsspielräume und neue Formen des Unterrichtens aufzeigen, die sich durch den Einsatz didaktischer Agenten in der fächerspezifischen Praxis ergeben, sondern interessierte Lehrkräfte auch zum Entdecken, Ausprobieren und Anpassen der Agenten einladen. Denn alle Systemprompts/Megaprompts sind auch als Open Educational Resources (OER) zu finden. Die didaktischen Agenten können heruntergeladen, angepasst und frei in eine eigene Anwendungsumgebung übertragen und so weiterverwendet werden.
Wie "Didaktische Agenten" im Unterricht eingesetzt werden können
Als „Lernpartner“ konzipiert, sollen sie Schülerinnen und Schülern beim Verstehen von Aufgabenstellungen helfen, Formulierungs- und Wortschatztipps geben, sie beim (mathematischen) Argumentieren unterstützen oder zum Entwickeln und Verbessern eigener Lösungswege anregen. Ihr didaktisches Potenzial liegt darin, prozessbegleitend individuelles Feedback zu geben und dabei persönliche Umgebungen zu schaffen, in denen verschiedene Lösungswege ausprobiert werden können. Je nach Instruktion können didaktische Agenten in verschiedene Rollen schlüpfen. So können sie – abhängig vom Lernziel – durchaus als Ghostwriter Rechenlösungen oder Mustertexte produzieren und deren Herleitung transparent erklären. In den meisten Fällen agieren sie jedoch als Tutoren (z. B. sokratische Tutoren) oder Lernpartner (z. B. Critical Friends), die adressatengerecht mit den Lernenden kommunizieren und sie ohne Vorwegnahme von Lösungswegen zum Ausprobieren und Lernen animieren. Sie können beispielsweise Kurven diskutieren, literarische Figuren simulieren oder als argumentative Stellvertreter bestimmter Meinungen oder theoretischer Modelle fungieren.
Alle didaktischen Agenten wurden in enger Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und den Teams der Universität Siegen entwickelt und erprobt. Jeder didaktische Agent ist mindestens einem curricularen Kompetenzbereich und/oder einem konkreten Lernziel zugeordnet. Wenngleich die veröffentlichten Agenten als „work in progress“ und Werkstattbericht zu verstehen sind, demonstrieren sie als Praxisbeispiele, wie der lernförderliche Einsatz didaktischer Agenten im Unterricht aussehen kann.
Fachspezifischer Einsatz in Mathematik und Deutsch
Im Fach Mathematik kann ein didaktischer Agent sowohl prozessbezogene Kompetenzen wie Problemlösen oder Modellieren als auch inhaltsbezogene Kompetenzen adressieren. Exemplarisch sei hierfür der didaktische Agent „Fürst Stochastikus“ genannt, der die Lernenden in eine immersive Lernumgebung auf einen mittelalterlichen Jahrmarkt mitnimmt und sie dort auffordert, Entscheidungen über die Teilnahme an Glücksspielen abzuwägen, indem sie konkrete Berechnungen hinsichtlich der Gewinnchancen durchführen.
Im Fach Deutsch greifen didaktische Agenten unter anderem Kompetenzerwartungen aus den Bereichen Lesen und Schreiben genauso wie Sprechen und Zuhören oder Reflexion über Sprachgebrauch auf, sowohl für Literatur als auch für Sachtexte. So unterstützt Lernpartner „TRU“ die Schülerinnen und Schüler beim Erkennen und Einordnen rhetorischer Gesprächsstrategien im Alltag, während etwa „Letra“ textsortenspezifische Lesestrategien vermittelt und einübt oder „Metaphero“ die Analyse und Rezeption von Gedichten Schritt für Schritt begleitet.
Weitere Informationen und einen kompakten Überblick aller bisher veröffentlichten didaktischen Agenten findet sich auf der Website des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Quelle: www.lernen-digital.nrw
Das KI-Forschungsvorhaben „KIMADU“ des Ministeriums für Schule und Bildung und der Universität Siegen unterstützt Schulen in Nordrhein-Westfalen bei dem lernförderlichen Einsatz von Large Language Models für das koaktive Lernen mit generativer Künstlicher Intelligenz (KI). Das Vorhaben läuft seit dem 1. Februar 2025 und wird bis zum 31. Juli 2027 fortgeführt.
Bild: Universität Siegen I Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik, Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache