© Patrick Schulte / LWL-Medienzentrum für Westfalen

Medienkompetenz vermitteln

Informationen, Unterrichtsmaterial und Hilfestellungen

18.05.2026

Klassenchats & WhatsApp-Kanäle I Aktuelle Erfahrungen und Probleme von Schülerinnen und Schülern sowie Materialien für die pädagogische Praxis - passend zum Medienkompetenzrahmen NRW

Seit mehr als zehn Jahren ist WhatsApp die dominierende Kommunikationsplattform der 12- bis 19-Jährigen. 96 Prozent der befragten Jugendlichen nutzen sie laut der JIM-Studie 2025 regelmäßig. Neben dem praktischen Nutzen birgt die Plattform jedoch auch Risiken, insbesondere mit Blick auf Klassenchats und WhatsApp-Kanäle. Welche negativen Erfahrungen machen Schülerinnen und Schüler dort, was können Lehrkräfte tun und welche pädagogischen Materialien stehen zur Verfügung, um Problemen im Klassenchat und auf WhatsApp-Kanälen vorzubeugen?

Klassenchats und WhatsApp-Kanäle spielen für Kinder und Jugendliche eine große Rolle. In Deutschland nutzen 82 Prozent der 10- bis 16-Jährigen mindestens einen Klassenchat, wie eine aktuelle Umfrage von infratest dimap im Auftrag des WDR zur "Nutzung von Klassenchats an Schulen in Deutschland 2026" zeigt. 92 Prozent der Nutzer verwenden dafür WhatsApp. Und das, obwohl man bei WhatsApp laut der Nutzungsbedingungen erst ab 13 Jahren einen eigenen Account haben darf. Viele Schülerinnen und Schüler berichten dabei von negativen Erfahrungen und Problemen im Klassenchat:

  • 69% der Befragten gibt an, Beleidigungen oder Bloßstellungen von Schülerinnen und Schülern oder Lehrkräften im Klassenchat gesehen zu haben. 
  • 54% der Nutzerinnen und Nutzer von Klassenchats berichten von Gerüchten, Lügen, Ausgrenzung oder Mobbing. 
  • Jedem Vierten (26%) sind schon einmal Videos oder Bilder von Gewalt oder Verletzungen begegnet.
  • Bilder oder Videos, die zu Hass, Gewalt oder Ausgrenzung gegen bestimmte Gruppen aufrufen, haben 17% der Befragten im Klassenchat schon gesehen.
  • 12% der Nutzerinnen und Nutzer geben an, dass ihnen Videos oder Bilder von nackten Körpern zugespielt wurden. 

Wie die Umfrage zeigt, bekommen Schülerinnen und Schüler aber nicht nur Negatives zu sehen, sondern erleben es auch: 16% sind selbst schon einmal im Chat beleidigt oder gemobbt worden, 20% haben sich schon ausgeschlossen gefühlt und 36% geben an, dass sich die Stimmung in der Klasse durch den Chat schon mal verschlechtert hat. 

Klassenchats haben wie Social Media zudem ein Suchtpotenzial. Einmal oder mehrmals am Tag schreibt die Hälfte aller Nutzer und Nutzerinnen im Alter von 10 bis 16 Jahren in den Chat. Weit mehr als jeder dritte Nutzer erhält laut Umfrage täglich bis zu 50 Nachrichten. Bis zu 100 Nachrichten oder mehr werden in 13 Prozent der Klassenchats täglich ausgetauscht. Das sind immerhin zehn Prozent aller Klassenchats, wie aus der WDR-Umfrage hervorgeht.

Die Landesanstalt für Medien NRW hat sich zudem jüngst mit dem Umgang von Kindern und Jugendlichen mit WhatsApp-Kanälen befasst. Zu diesem Zweck hat sie in einer Studie 100 von Minderjährigen betriebene Kanäle inhaltlich analysiert und Nutzende zwischen 12 und 18 Jahren interviewt. Das Ergebnis dieser Umfrage zeigt: Vor allem Kinder, die keinen Zugriff auf soziale Netzwerke haben, nutzen aktiv WhatsApp-Kanäle, in den meisten Fällen ohne das Wissen ihrer Eltern. Dabei unterschätzen oder ignorieren viele die Risiken und die Menge an persönlichen Informationen, die sie über sich preisgeben – oft vor Hunderten oder Tausenden Fremden (Landesanstalt für Medien NRW (2026). WhatsApp-Kanäle: Zwischen digitalem Tagebuch und Online-Bolzplatz).

Was können Lehrkräfte tun, um über die Risiken von WhatsApp aufzuklären?

Lehrkräfte sollten die Problematik rund um Klassenchats und WhatsApp-Kanäle im Unterricht präventiv zum Thema machen, um Problemen vorzubeugen und die Schülerinnen und Schüler zu einer "selbstregulierte(n) Mediennutzung" (Kompetenz 5.4 des Medienkompetenzrahmens NRW) zu befähigen. Dabei sollten gemeinsam verbindliche Regeln erarbeitet und auf wichtige Kommunikationsgrundsätze wie Freundlichkeit, keine Fotos oder Videos ohne Erlaubnis, Ruhezeiten, inhaltliche Do's and Don'ts sowie einen respektvollen Umgang hingewiesen werden. Konsequenzen bei Verstößen sollten klargemacht und Anlaufstellen bekannt gemacht werden. Weitere Tipps und Hinweise finden Sie auf der Homepage von Klicksafe.

Welche pädagogischen Materialien stehen zur Verfügung?

Passend zu den Kompetenzbereichen „Kommunizieren und kooperieren” sowie „Analysieren und reflektieren” des Medienkompetenzrahmens NRW stehen Lehrkräften unter anderem folgende Materialien zu den Themen Klassenchats, Social Media und WhatsApp zum kostenfreien Download zur Verfügung: 

  • Unterrichtseinheit von Klicksafe zur Erarbeitung von Regeln für den Klassenchat mit neuen Fallbeispielen und Gruppenaufgaben ab Klasse 5
  • Plakat „Unsere Regeln für den Klassenchat“ zum Festhalten der erarbeiteten Regeln
  • Zweistündige Unterrichtseinheit zum Thema Kinder- und Jugendpornografie im Klassenchat von der Landesanstalt für Medien NRW für die Klassen 7-9, um mit Schülerinnen und Schülern rechtliche und ethische Grenzen in der Online-Kommunikation zu erarbeiten und über Konsequenzen der Verbreitung strafbarer Inhalte aufzuklären
  • Unterrichtsmaterial „Let's Talk about Porno“ mit dem Projekt 18 „Nudes, Dickpics und Co. – No-Gos im Klassenchat!“ von Klicksafe und dem dazugehörigen interaktiven PDF, mit dem Schülerinnen und Schüler lernen, welche Inhalte in den Klassenchat gehören und welche nicht. (Hinweis: Das Material wird von Klicksafe erst ab 14 Jahren empfohlen und sollte vor dem Einsatz in der Klasse in Bezug auf seine Eignung geprüft werden.)  

Weitere Hintergrundinformationen bietet die rund 30-minütige Reportage "Inside Klassenchats", die der WDR im März 2026 veröffentlicht hat und die noch bis zum 18. März 2027 in der ARD-Mediathek angesehen werden kann. 

Digitaler Elternabend am 19. Mai 2026, 19-20 Uhr

Die Landesanstalt für Medien NRW bietet im Rahmen ihres Angebots "Eltern und Medien" zudem einen digitalen Elternabend zum Thema "Zwischen Hausaufgaben und Hassnachrichten - Was geht ab im Klassenchat?" an. Dabei kommen Katharina Spreier (Autorin der Funk-Reportage "Inside Klassenchats: Mobbing, Morddrohungen, N@zi-Sticker") und Medienpädagogin Johanna Wunsch (Landesanstalt für Medien NRW) ins Gespräch. Hier können sie sich für das kostenfreie Angebot anmelden. 

Title
Quelle: Canva

Zurück