Informationen, Unterrichtsmaterial und Hilfestellungen
Klassenchats und WhatsApp-Kanäle spielen für Kinder und Jugendliche eine große Rolle. In Deutschland nutzen 82 Prozent der 10- bis 16-Jährigen mindestens einen Klassenchat, wie eine aktuelle Umfrage von infratest dimap im Auftrag des WDR zur "Nutzung von Klassenchats an Schulen in Deutschland 2026" zeigt. 92 Prozent der Nutzer verwenden dafür WhatsApp. Und das, obwohl man bei WhatsApp laut der Nutzungsbedingungen erst ab 13 Jahren einen eigenen Account haben darf. Viele Schülerinnen und Schüler berichten dabei von negativen Erfahrungen und Problemen im Klassenchat:
Wie die Umfrage zeigt, bekommen Schülerinnen und Schüler aber nicht nur Negatives zu sehen, sondern erleben es auch: 16% sind selbst schon einmal im Chat beleidigt oder gemobbt worden, 20% haben sich schon ausgeschlossen gefühlt und 36% geben an, dass sich die Stimmung in der Klasse durch den Chat schon mal verschlechtert hat.
Klassenchats haben wie Social Media zudem ein Suchtpotenzial. Einmal oder mehrmals am Tag schreibt die Hälfte aller Nutzer und Nutzerinnen im Alter von 10 bis 16 Jahren in den Chat. Weit mehr als jeder dritte Nutzer erhält laut Umfrage täglich bis zu 50 Nachrichten. Bis zu 100 Nachrichten oder mehr werden in 13 Prozent der Klassenchats täglich ausgetauscht. Das sind immerhin zehn Prozent aller Klassenchats, wie aus der WDR-Umfrage hervorgeht.
Die Landesanstalt für Medien NRW hat sich zudem jüngst mit dem Umgang von Kindern und Jugendlichen mit WhatsApp-Kanälen befasst. Zu diesem Zweck hat sie in einer Studie 100 von Minderjährigen betriebene Kanäle inhaltlich analysiert und Nutzende zwischen 12 und 18 Jahren interviewt. Das Ergebnis dieser Umfrage zeigt: Vor allem Kinder, die keinen Zugriff auf soziale Netzwerke haben, nutzen aktiv WhatsApp-Kanäle, in den meisten Fällen ohne das Wissen ihrer Eltern. Dabei unterschätzen oder ignorieren viele die Risiken und die Menge an persönlichen Informationen, die sie über sich preisgeben – oft vor Hunderten oder Tausenden Fremden (Landesanstalt für Medien NRW (2026). WhatsApp-Kanäle: Zwischen digitalem Tagebuch und Online-Bolzplatz).
Was können Lehrkräfte tun, um über die Risiken von WhatsApp aufzuklären?
Lehrkräfte sollten die Problematik rund um Klassenchats und WhatsApp-Kanäle im Unterricht präventiv zum Thema machen, um Problemen vorzubeugen und die Schülerinnen und Schüler zu einer "selbstregulierte(n) Mediennutzung" (Kompetenz 5.4 des Medienkompetenzrahmens NRW) zu befähigen. Dabei sollten gemeinsam verbindliche Regeln erarbeitet und auf wichtige Kommunikationsgrundsätze wie Freundlichkeit, keine Fotos oder Videos ohne Erlaubnis, Ruhezeiten, inhaltliche Do's and Don'ts sowie einen respektvollen Umgang hingewiesen werden. Konsequenzen bei Verstößen sollten klargemacht und Anlaufstellen bekannt gemacht werden. Weitere Tipps und Hinweise finden Sie auf der Homepage von Klicksafe.
Welche pädagogischen Materialien stehen zur Verfügung?
Passend zu den Kompetenzbereichen „Kommunizieren und kooperieren” sowie „Analysieren und reflektieren” des Medienkompetenzrahmens NRW stehen Lehrkräften unter anderem folgende Materialien zu den Themen Klassenchats, Social Media und WhatsApp zum kostenfreien Download zur Verfügung:
Weitere Hintergrundinformationen bietet die rund 30-minütige Reportage "Inside Klassenchats", die der WDR im März 2026 veröffentlicht hat und die noch bis zum 18. März 2027 in der ARD-Mediathek angesehen werden kann.
Digitaler Elternabend am 19. Mai 2026, 19-20 Uhr
Die Landesanstalt für Medien NRW bietet im Rahmen ihres Angebots "Eltern und Medien" zudem einen digitalen Elternabend zum Thema "Zwischen Hausaufgaben und Hassnachrichten - Was geht ab im Klassenchat?" an. Dabei kommen Katharina Spreier (Autorin der Funk-Reportage "Inside Klassenchats: Mobbing, Morddrohungen, N@zi-Sticker") und Medienpädagogin Johanna Wunsch (Landesanstalt für Medien NRW) ins Gespräch. Hier können sie sich für das kostenfreie Angebot anmelden.
Quelle: Canva