Informationen, Unterrichtsmaterial und Hilfestellungen
Cybergrooming ist eine besonders perfide Form sexualisierter Online-Gewalt: Täterinnen und Täter nutzen Social Media, Messenger, Online-Games oder Live-Streaming-Apps, um gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen. Mit manipulativen Techniken erschleichen sie sich Vertrauen unter falscher Identität. Mit wenig Aufwand erreichen sie Kinder und Jugendliche in ihren digitalen Lebenswelten: auf ihren persönlichen Geräten, in den Spielen oder Apps, die sie täglich nutzen und in denen sie sich wohlfühlen.
Meist männliche Täter versuchen, Kinder in private Chats zu locken, um ungestört mit ihnen zu kommunizieren. Dazu schenken sie ihnen beispielsweise in Spielen virtuelle Gegenstände, um Vertrauen aufzubauen und Abhängigkeiten zu schaffen. Sie machen unangemessene Kommentare zum Aussehen oder Körper des Kindes und lenken Gespräche auf sexuelle Themen. Nicht selten versenden sie selbst Nacktbilder oder fordern solche von den Kindern – etwa als „Beweis“ für Vertrauen. Dabei akzeptieren sie kein „Nein“ und üben massiv Druck aus, beispielsweise durch Erpressung oder emotionale Manipulation. Gleichzeitig versuchen sie, persönliche Daten wie die Adresse oder die Schule des Kindes zu erfahren oder ein Treffen in der realen Welt zu vereinbaren. Die Strategien sind oft so subtil, dass Kinder sie zunächst nicht als gefährlich erkennen. Viele Betroffene schweigen, weil sie sich schämen oder ein Spiel- oder Handyverbot fürchten.
Junge Menschen mit Behinderungen, sprachlichen Barrieren oder geringer Medienkompetenz sind besonders gefährdet. Ihre erhöhte Verletzlichkeit, die durch soziale Isolation oder eingeschränkte Aufklärung über digitale Risiken entsteht, wird gezielt ausgenutzt. Technologische Entwicklungen wie KI verschärfen die Risiken: Deepfakes, virtuelle Missbrauchsdarstellungen oder das Vortäuschen von Identitäten ermöglichen es Tatpersonen, immer leichter unentdeckt zu bleiben. Einen Überblick über Art und Umfang der Problematik liefert die Cybergrooming-Studie der Landesanstalt für Medien (2025).
In dieser wird auch deutlich, dass sich viele Kinder und Jugendliche mehr Unterstützung von Erwachsenen wünschen. Doch nur ein Drittel der Eltern spricht regelmäßig mit ihren Kindern über Online-Erfahrungen. Gleichzeitig sinkt die elterliche Kontrolle mit zunehmendem Alter – obwohl gerade ältere Kinder und Jugendliche häufiger Opfer von Cybergrooming werden.
Hier setzt das neu gestartete AJS-Projekt „STRONG – Stark gegen Online-Gewalt und Cybergrooming“ an: Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der inklusive Medienarbeit und sexuelle Bildung miteinander verbindet. Konkret bietet das Projekt eine Mischung aus Veranstaltungen, Arbeitshilfen und Vernetzungsmöglichkeiten, sodass sich Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte einen Überblick über die Thematik verschaffen können.
Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS NRW) ist als gemeinnütziger Verein eine landesweit tätige Fachstelle zur Förderung des erzieherischen und gesetzlichen Kinder- und Jugendschutzes. Die Arbeit der AJS ist geprägt vom Gedanken des Empowerments: Junge Menschen sollen in ihrer Entwicklung so unterstützt und gefördert werden, dass sie zu selbstbestimmten, reflektierten und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten heranwachsen können.