© Patrick Schulte / LWL-Medienzentrum für Westfalen

Medienkompetenz vermitteln

Informationen, Unterrichtsmaterial und Hilfestellungen

Link-Tipp 15.06.2026

Neues Projekt der AJS NRW: STRONG - Stark gegen Online-Gewalt und Cybergrooming

Ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen ist in Deutschland von Cybergrooming betroffen. Der Begriff bezeichnet die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte zu Minderjährigen im Internet. Die AJS NRW widmet sich dieser Thematik bereits seit vielen Jahren und nun mit dem Projekt "STRONG - Stark gegen Online-Gewalt und Cybergrooming" noch weitreichender und systematischer. Das Projekt wird vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKJFGFI) gefördert.

Cybergrooming ist eine besonders perfide Form sexualisierter Online-Gewalt: Täterinnen und Täter nutzen Social Media, Messenger, Online-Games oder Live-Streaming-Apps, um gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen. Mit manipulativen Techniken erschleichen sie sich Vertrauen unter falscher Identität. Mit wenig Aufwand erreichen sie Kinder und Jugendliche in ihren digitalen Lebenswelten: auf ihren persönlichen Geräten, in den Spielen oder Apps, die sie täglich nutzen und in denen sie sich wohlfühlen. 

Meist männliche Täter versuchen, Kinder in private Chats zu locken, um ungestört mit ihnen zu kommunizieren. Dazu schenken sie ihnen beispielsweise in Spielen virtuelle Gegenstände, um Vertrauen aufzubauen und Abhängigkeiten zu schaffen. Sie machen unangemessene Kommentare zum Aussehen oder Körper des Kindes und lenken Gespräche auf sexuelle Themen. Nicht selten versenden sie selbst Nacktbilder oder fordern solche von den Kindern – etwa als „Beweis“ für Vertrauen. Dabei akzeptieren sie kein „Nein“ und üben massiv Druck aus, beispielsweise durch Erpressung oder emotionale Manipulation. Gleichzeitig versuchen sie, persönliche Daten wie die Adresse oder die Schule des Kindes zu erfahren oder ein Treffen in der realen Welt zu vereinbaren. Die Strategien sind oft so subtil, dass Kinder sie zunächst nicht als gefährlich erkennen. Viele Betroffene schweigen, weil sie sich schämen oder ein Spiel- oder Handyverbot fürchten. 

Junge Menschen mit Behinderungen, sprachlichen Barrieren oder geringer Medienkompetenz sind besonders gefährdet. Ihre erhöhte Verletzlichkeit, die durch soziale Isolation oder eingeschränkte Aufklärung über digitale Risiken entsteht, wird gezielt ausgenutzt. Technologische Entwicklungen wie KI verschärfen die Risiken: Deepfakes, virtuelle Missbrauchsdarstellungen oder das Vortäuschen von Identitäten ermöglichen es Tatpersonen, immer leichter unentdeckt zu bleiben. Einen Überblick über Art und Umfang der Problematik liefert die Cybergrooming-Studie der Landesanstalt für Medien (2025)

In dieser wird auch deutlich, dass sich viele Kinder und Jugendliche mehr Unterstützung von Erwachsenen wünschen. Doch nur ein Drittel der Eltern spricht regelmäßig mit ihren Kindern über Online-Erfahrungen. Gleichzeitig sinkt die elterliche Kontrolle mit zunehmendem Alter – obwohl gerade ältere Kinder und Jugendliche häufiger Opfer von Cybergrooming werden.

Hier setzt das neu gestartete AJS-Projekt „STRONG – Stark gegen Online-Gewalt und Cybergrooming“ an: Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der inklusive Medienarbeit und sexuelle Bildung miteinander verbindet. Konkret bietet das Projekt eine Mischung aus Veranstaltungen, Arbeitshilfen und Vernetzungsmöglichkeiten, sodass sich Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte einen Überblick über die Thematik verschaffen können. 

  • Veranstaltungen für pädagogische Fachkräfte: Durch Online-Fortbildungen, regionale Fachtage und Schulungen werden pädagogische Fachkräfte für Risiken und Gefahren sensibilisiert. Ein Fokus liegt auf der Verschränkung von Medien- und Sexualpädagogik: Nur wer über Sexualität und die eigenen (digitalen) Grenzen Bescheid weiß und darüber altersangemessen sprechen kann, trägt zum Schutz von Kindern und Jugendlichen wirklich bei. Besonders beachtet werden vulnerable Gruppen – etwa durch Materialien in Leichter Sprache oder inklusive Workshop-Formate.
  • Entwicklung von Arbeitshilfen, Pilotprojekten, Best-Practice: In Kooperation mit Partnern entstehen praxisnahe Angebote: Workshops für Jugendliche, Materialien und Handreichungen für Fachkräfte - auch für die Entwicklung von Schutzkonzepten, die analoge und digitale Gewalt gleichermaßen berücksichtigen.
  • Vernetzung und Sichtbarkeit: Das Projekt baut ein landesweites Kompetenznetzwerk auf, das Akteurinnen und Akteuren aus den Bereichen Jugendarbeit, Beratungsstellen, Polizei und Bildungseinrichtungen verbindet. Ziel ist eine dauerhafte strukturelle Verankerung der Prävention von sexualisierter Gewalt im digitalen Raum. Diese Webseite bündelt Informationen und Materialien und dient als zentrales Informationsportal.

Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS NRW) ist als gemeinnütziger Verein eine landesweit tätige Fachstelle zur Förderung des erzieherischen und gesetzlichen Kinder- und Jugendschutzes. Die Arbeit der AJS ist geprägt vom Gedanken des Empowerments: Junge Menschen sollen in ihrer Entwicklung so unterstützt und gefördert werden, dass sie zu selbstbestimmten, reflektierten und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten heranwachsen können.

Title

Zurück