© Patrick Schulte / LWL-Medienzentrum für Westfalen

Medienkompetenz vermitteln

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04.03.2026

„Manosphere“, „Incel"-Ideologien & "Tradwives": Radikale Rollenbilder auf TikTok, Instagram & Co.

Tradwives und antifeministische Influencer wie Andrew Tate liegen in den sozialen Netzwerken im Trend. Ihre Videos ziehen Millionen von Teenagern in ihren Bann. Dort verbreiten sie traditionelle Rollenbilder, frauenfeindliche Inhalte und gewaltverherrlichende Vorstellungen von Männlichkeit. Was können Lehrkräfte und Eltern tun, um über die Gefahren und Wirkungsweisen des Antifeminismus aufzuklären?

Straftaten gegen Frauen und Mädchen nehmen laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) in Deutschland weiter zu -sowohl im analogen als auch im digitalen Raum. Darunter fallen Sexual- und Tötungsdelikte sowie Cyberstalking oder Online-Bedrohungen. Ein besonders hoher Anstieg mit 558 erfassten Straftaten im Jahr 2024 zeigt sich bei frauenfeindlichen Straftaten (+73,3 %). Damit setzt sich der Anstieg aus dem Vorjahr fort (2023: +56,3 %). Laut der Leipziger Autoritarismus/Heinrich Böll-Studie 2024 haben 25 % der deutschen Bevölkerung "ein geschlossen antifeministisches Weltbild, vor allem auf der rechten Seite des politischen Spektrums."

Dass der Konsum von Medien, die antifeministische Narrative verbreiten, frauenfeindliche Einstellungen verstärken kann, zeigt auch der im September 2025 von jugendschutz.net veröffentlichte "Report: Antifeminismus online - Misogynie, toxische Männlichkeit und Feindbild „Feminismus“. Dieser gibt einen Überblick über antifeministische Angebote, Verbreitungsformen und Narrative in digitalen Diensten. Im Zuge der Recherche wurden auf TikTok, Instagram, YouTube und Co. etwa 5.000 Beiträge gesichtet. Laut dem Report wird Antifeminismus „als Überbegriff für verschiedene Hassformen und Ideologien der Ungleichheit verwendet". Dazu zählen u.a.:

  • die „Manosphere"(dt. „Männer-Sphäre"). Damit wird eine (digitale) Subkultur auf Social Media beschrieben, in der sich "Männer als Opfer des Feminismus und systematisch benachteiligt darstellen. Herbeigesehnt wird eine hierarchische Geschlechterordnung, in der der Mann '(An-)Führer' und die Frau untergeordnet ist."  
  • die „Manfluencer, Dating-Coaches und Pick-up-Artists". Sie sehen „sich selbst als 'Alphas' an der Spitze eines solchen hierarchischen Geschlechterbildes sowie als Experten in Sachen Dating, Flirten und 'Aufreißen'. (...)" Bei ihren „vermeintlichen Dating-Tipps handelt es sich um emotionale Manipulationstechniken, mittels derer Frauen sexuell gefügig gemacht werden sollen."
  • die „Incel"-Ideologie (Abkürzung aus involuntary celibate, englisch für ‚unfreiwillig sexuell enthaltsam‘). Sogenannte „Incels" glauben, sich in einem „Konkurrenzkampf um Sex mit Frauen" zu befinden und „diesen vermeintlichen Wettbewerb bereits verloren zu haben. Während 'Alphas' am oberen Ende einer Hierarchie stehen, bilden 'Incels' in der eigenen Vorstellung die unterste Ebene. (...) Mitschuld an ihrer Misere habe aus Incel-Sicht der Feminismus: Durch ihn seien Frauen so sehr gesellschaftlich erstarkt, dass davon eine Bedrohung für die quasi natürliche maskuline Vorrangstellung ausgehe und ihnen so ein Sexual- bzw. Beziehungsleben verwehrt sei."
  • die „Tradwives" (Abkürzung für „Traditional Wives"; dt. Traditionelle Ehefrauen). Sie richten sich an ein gezielt weibliches Publikum und „romantisieren einen Lebensstil als Hausfrau, Ehefrau und Mutter, der sich an dem entsprechenden Ideal der 1950er Jahre orientiert. (...) Strenge, binäre Auffassungen von Geschlecht und Vorschriften darüber, was eine Frau darf und was nicht, werden mit Beauty- und Lifestyle-Themen kombiniert, teils auch kaschiert." Häufig argumentieren sie aus einer christlich-fundamentalistischen Perspektive. Inhaltliche und personelle Überschneidungen finden sich zudem mit der rechten Szene.  

Bei Jungen, die auf der Suche nach Orientierung sind, können diese antifeministischen Sichtweisen toxisch wirken und zur Entstehung von radikalen und misogynen Weltbildern bis hin zu Gewalt- und Tötungsfantasien führen, wie auch die britische Netflix-Serie „Adolescence“ eindringlich darstellt. Bei Mädchen, queeren und trans*Personen können Minderwertigkeitsgefühle und die Sorge, selbst zum Ziel sexistischer Attacken zu werden, hinzukommen.

Wichtig ist daher, dass Jugendliche dazu befähigt werden, die "Chancen und Herausforderungen von Medien für die Realitätswahrnehmung (zu) erkennen und (zu) analysieren sowie für die eigene Identitätsbildung (zu) nutzen" (Kompetenz 5.3. des Medienkompetenzrahmen NRW) und "unangemessene und gefährdende Medieninhalte erkennen und hinsichtlich rechtlicher Grundlagen sowie gesellschaftlicher Normen und Werte einschätzen" (Kompetenz 2.4 des Medienkompetenzrahmen NRW) zu können.

Was können Lehrkräfte und Eltern tun? Antifeminismus zum Thema machen!

Um Kinder und Jugendliche über die Gefahren und Wirkungsweisen des Antifeminismus aufzuklären, sollten Lehrkräfte und Eltern das Gespräch über Rollenbilder, Respekt und Gleichstellung suchen. Denn frauenfeindliche Inhalte sind nicht immer leicht zu erkennen, da sie oft beiläufig (zwischen Backrezepten) oder humorvoll (im Rahmen von Online-Trends oder Fitnessvideos) eingebettet werden. 

Pädagogisch könnten Lehrkräfte hier ansetzen, indem sie Social-Media-Inhalte in den Unterricht integrieren. Anhand der Analyse konkreter Beispiele (wie sie sich z.B. in dem Report von jugendschutz.net finden lassen) kann das Erkennen antifeministischer Aussagen gefördert werden. Auch durch die Auswertung bekannter Hashtags oder Memes können Jugendliche darin bestärkt werden, sich kritisch mit sexistischen und gewaltverherrlichenden Inhalten auseinanderzusetzen. 

Die Sozialwissenschaftlerin Mareike Fenja Bauer rät in ihrem Beitrag auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung, „dabei (...) nicht per se ein dystopisches Bild von Social-Media-Plattformen zu zeichnen, sondern vielmehr zum kritischen Umgang mit ihnen zu befähigen, um demokratische Positionen zu stärken. Argumentationstrainings, die sich gezielt mit Antifeminismus auseinandersetzen, können zudem die Anschlussfähigkeit antifeministischer Erzählungen aufbrechen und lassen sich ebenfalls in den Unterricht integrieren. Denkbar sind auch Diskussionen mit Schüler*innen über die Entwicklung einer Identität, die nicht auf der Abwertung von Nicht-Männlichem basiert. Um antifeministischen Fehlinformationen und Verschwörungserzählungen entgegenzuwirken, kann auch über feministische Denkansätze, Bewegungen und Bestrebungen aufgeklärt und dies als Teil politischer Bildung verstanden werden." 

Weitere Informationen rund um das Thema Antifeminismus:

- Der Clip der Landeszentrale für politische Bildung NRW erklärt in unter zwei Minuten, was es genau mit dem Antifeminismus auf sich hat.

- SCHAU HIN! hat die wichtigsten Fakten und Begriffe zur "Manosphere" zusammengefasst und gibt Tipps, was Eltern tun können.

- Klicksafe beleuchtet vor dem Hintergrund der Netflix-Serie "Adolescence" die "Manosphere", erklärt digitale Emojy-Codes aus der Community und zeigt auf, wie Lehrkräfte und Eltern angemessen unterstützen können.

- Die Website der UN WOMEN Deutschland informiert über die Gefahren der "Manosphere" und feministische Antworten auf die zunehmende Radikalisierung.

- Die Website der UN-Frauenorganisation für Europa und Zentralasien klärt auf Englisch über die „Manosphere" auf und stellt Handlungsmöglichkeiten vor, wie Online-Misogynie entgegengewirkt werden kann.

- Mit den Argumentationshilfen der Amadeu Antonio Stiftung/Fachstelle Gender, GMF und Rechtsextremismus gegen Antifeminismus lassen sich antifeministische Behauptungen erkennen und widerlegen.

- Das Projekt „Spotlight – Antifeminismus erkennen und begegnen“ ist im Januar 2022 mit dem Ziel gestartet, die Gefahren und antidemokratischen Dynamiken von Antifeminismus sichtbarer zu machen und ihnen entgegenzuwirken.

Videobeiträge über die "Manosphere", "Incel"-Ideologie und Frauenhass: 

- Wer ist Andrew Tate? Das zeigt der 15-minütige Videobeitrag des ZDF.

- Die ARD-Dokumentation „Shut Up, Bitch! Der Kampf um Männlichkeit“ zeichnet nach, wie junge Männer in den Bann der Manosphäre geraten können und welche Interessen dahinterstehen.

- In der ARD-Dokumentation „Toxische Männlichkeit. Woher kommt die Wut auf Frauen?“ beschäftigt sich  "HeForShe"-Deutschland-Botschafter Fikri Anıl Altıntaş mit den Ursachen und Folgen von Männergewalt gegenüber Frauen und auch mit der Manosphäre.

- In der ZDF Doku „Incels: Vom Frauenhass zum Amoklauf“ wird beleuchtet, wie junge Männer sich radikalisieren.

 

jugendschutz.net wurde 1997 gegründet und fungiert inzwischen als gemeinsames Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet.

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Bildquelle: Jugendschutz.net

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