© Patrick Schulte / LWL-Medienzentrum für Westfalen

Medienkompetenz vermitteln

Informationen, Unterrichtsmaterial und Hilfestellungen

22.06.2026

Digitale Risiken – Cybergewalt mit Medienkompetenz begegnen

Mit welchen digitalen Risiken sind Kinder und Jugendliche heutzutage konfrontiert? Was können Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte gegen Gewalt im Netz präventiv tun? Und welche Präventionsangebote und Meldestellen sind für Lehrkräfte und für Schülerinnen und Schüler empfehlenswert? Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick über verschiedene Formen von digitaler Gewalt und stellen Ihnen kostenfreie Unterrichtsideen aus unserem Materialpool sowie Unterstützungsangebote vor. 

Welche Formen digitaler Gewalt gibt es?

„Der Begriff digitale Gewalt meint verschiedene Formen von Belästigung, Herabwürdigung, Diskriminierung oder sozialer Isolation im Internet oder mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel“ (https://hateaid.org/digitale-gewalt/#definition). Darunter fallen u.a.:

  • Bildbasierte Gewalt und ungewollte Pornographie
  • Cybergrooming und sexuelle Belästigung
  • Cybermobbing
  • Hate Speech und persönliche Beleidigungen
  • Extreme politische Ansichten
  • Desinformation

Wie die Mitte November erschienene JIM-Studie 2025 zeigt, sind immer mehr Jugendliche heutzutage digitaler Gewalt ausgesetzt. Für die Studie wurden von Juni bis Juli 1.200 Zwölf- bis 19-Jährige telefonisch oder online befragt. 67 Prozent der 12- bis 19-Jährigen gab an, im Verlauf des letzten Monats Fake News begegnet zu sein. Viele Jugendliche berichteten auch u.a. von Beleidigungen im Netz (64 %), negativen Erfahrungen mit extremen politischen Ansichten (59 %), Hate Speech (47 %) oder Verschwörungstheorien (43 %). Auch die WDR-Umfrage und Doku zum Thema "Inside Klassenchats" (2026) verdeutlicht, wie groß die Probleme im Netz sind, insbesondere in Klassenchats auf WhatsApp. Von den mehr als 1.000 befragten Schülerinnen und Schüler zwischen 10 bis 16 Jahren berichten viele von negativen Erfahrungen wie Beleidigungen oder Bloßstellungen (69%), Gerüchten oder Lügen (54%), Ausgrenzung oder Mobbing (54%), Videos oder Bildern von Gewalt oder Verletzungen (26%), Hass (17%) und Videos oder Bildern, die nackte Körper zeigen (12%). 

Was können Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte gegen digitale Gewalt präventiv tun?

Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte können durch klare Regeln, Aufklärung sowie enge Zusammenarbeit mit Eltern und Unterstützungsstellen einen wichtigen Beitrag zur Prävention vor digitaler Gewalt leisten. Wichtige Maßnahmen sind beispielsweise:

  • Medienkompetenz - insbesondere mit Blick auf unangemessene und gefährdenden Medieninhalte, Cybergewalt und Meinungsbildung - fördern,
  • Regeln und Nettiquette für Klassenchats erarbeiten,
  • Schülerinnen und Schüler durch Thematisierung im Unterricht aufklären und miteinbeziehen,
  • Eltern über mögliche Risiken informieren und Präventionsmaterialien aushändigen und
  • Unterstützungsangebote und Meldestellen bekannt machen.

Eine Linkliste mit Beratungs-, Unterstützungs- und Meldestellen haben wir weiter unten für Sie zusammengestellt. 

Unterrichtsideen und Unterstützungsangebote

In unserem Materialpool stellen wir Ihnen kostenfreie Unterrichtsideen zur Verfügung, mit denen Sie vor digitaler Gewalt schützen und die Kompetenzen des Medienkompetenzrahmens NRW fördern können. Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick über ausgewählte Lernressourcen und Unterstützungsangebote für die Sekundarstufen I und II zu den verschiedenen Formen von digitalen Risiken und Cybergewalt. 

Bildbasierte Gewalt und ungewollte Pornographie 

Ob beim neugierigen Surfen auf Pornoseiten oder ungewollt im Klassenchat: Die meisten Jugendlichen kommen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren erstmals mit Pornografie in Kontakt. Pornos als Teil der jugendlichen Lebenswelt zu begreifen, ist daher unvermeidlich. Dabei ist zum einen wichtig, Kinder wirksam vor entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten zu schützen. Zum anderen sollten wir die sexuelle Aufklärung nicht Pornos überlassen und junge Menschen nicht allein lassen.

* Die Unterrichtseinheit "Kinder- und Jugendpornographie im Klassenchat" der Landesanstalt für Medien NRW für die Klassen 7 bis 9 kann dazu genutzt werden, um mit Schülerinnen und Schülern rechtliche und ethische Grenzen in der Online-Kommunikation zu erarbeiten und über Konsequenzen der Verbreitung strafbarer Inhalte aufzuklären. 

* Ziel des Lehrmaterials "Deep Fake. Deep Impact." von klicksafe für die Klassen 4 bis 9 ist es, pädagogische Fachkräfte und ihre Schülerinnen und Schüler grundlegend über Deepfake-Technologien zu informieren. Im Material wird erklärt, was Deepfakes sind, wie Deepfakes sinnvoll genutzt werden können, aber auch welche Gefahren von ihnen ausgehen. Zudem erhalten pädagogische Fachkräfte drei Projektideen für den Unterricht. In diesen Projekten setzen die Schülerinnen und Schüler sich kritisch und kreativ mit dem Thema Deepfakes auseinander trainieren ihre Informationskompetenzen.

Cybergrooming und sexuelle Belästigung

Der Begriff Cybergrooming bezeichnet die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte zu Minderjährigen im Internet. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen, um die Minderjährigen zu sexuellen Handlungen zu überreden oder Straftaten vorzubereiten.

* Um Kinder vor Cybergrooming und sexuelle Belästigung im Netz zu schützen, hat das Internet-ABC e.V. eine 7-stündige, spielerische Unterrichtsreihe "Gemeinsam gegen Cybergrooming" für die Klassen 3 bis 6 entwickelt. Im Verlauf der Reihe begleitet die Klasse Flizzy, das Eichhörnchen. Es begegnet beim Spielen seltsamen Menschen und merkwürdigen Nachrichten. Die Klasse hilft Flizzy aus der Gefahr und lernt dabei verschiedene Schutzstrategien kennen und anwenden. 

* Der Report von Jugendschutz.net zeigt, auf welche Weise sexuell belästigende Kommunikation in den beliebten Diensten TikTok und Instagram stattfindet, wie gut bestehende Vorsorgemaßnahmen funktionieren und wie die Dienste auf gemeldete Inhalte reagieren.

Cybermobbing

Mobbing ist eine extreme Form aggressiven Verhaltens. Die Ausweitung der Kommunikation auf den digitalen Raum hat die Brisanz von Mobbing deutlich verschärft.

* Das Handbuch "Was tun bei (Cyber-)Mobbing?" von klicksafe und Konflikt-KULTUR soll einen Beitrag dazu leisten, im (Cyber)Mobbingfall professionell zu handeln.

* Das interaktive Spiel „Stoppt Mobbing!“ ist die deutsche Version des Spiels „Stop la violence“ des französischen Safer Internet Centres. Es sensibilisiert Kinder und Jugendliche für das Thema Mobbing und Cybermobbing und eignet sich für Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 16 Jahren. Mit diesem Begleitmaterial kann das Spiel "Stoppt Mobbing" in die schulische oder außerschulische Bildungsarbeit eingebunden werden.

Hate Speech und persönliche Beleidigungen

Um Hate Speech, persönlichen Beleidigungen und Problemen im Klassenchat vorzubeugen, können zu Beginn des Schuljahres gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern Regeln für den Klassengruppenchat festgelegt werden.

* klicksafe bietet hierzu in Kooperation mit Handysektor die Unterrichtseinheit „Regeln für den Klassenchat“ an. Passend zur Unterrichtseinheit können Klassen die erarbeiteten Regeln im Plakat „Unsere Regeln für den Klassenchat" festhalten.

* Bei Re:think handelt es sich um eine App mit 12 intuitiven Mini-Games, die Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren durch spielerische Interaktionen für Themen wie Antisemitismus, Rassismus, Hatespeech und Verschwörungsmythen sensibilisieren möchte. Die Games in der App sind insbesondere für den Einsatz im Schulunterricht geeignet, aber auch ohne pädagogische Begleitung intuitiv verständlich und spielbar.

Extreme politische Ansichten

Gesellschaftliche Polarisierung, Terroranschläge und Gewalttaten prägen derzeit politische Debatten. Radikalisierungsprozesse und zunehmender Extremismus sind spürbar — auch in demokratischen Gesellschaften. In einer vernetzten Welt, in der politische Konflikte, soziale Ungleichheiten und Identitätsfragen den Alltag beeinflussen, wird die Prävention extremistischer Ideologien daher immer wichtiger.

* „Wer ist Bilal?" ist ein neues Lernspiel der Staatskanzlei NRW für die Klassen 5-10, in dem in digitaler Detektivarbeit die Geschichte eines Jugendlichen aufgedeckt wird, der sich den Anzeichen nach online radikalisiert hat. Dazu passend gibt es eine Unterrichtseinheit, deren Erstellung vom Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt wurde.

* Vom LWL-Medienzentrum für Westfalen wurde im Rahmen des Projekts "Demokratie on demand. Informationskompetenz in Social" ein Materialpaket für Lehrkräfte erstellt: Rechtsextremismus in Social Media: Emotionen als Strategie. Materialpaket für Lehrkräfte. Mit dem Material können Lehrkräfte weiterführender Schulen eine zweistündige Unterrichtseinheit gestalten. Das Projekt "Demokratie on demand" des LWL-Medienzentrums für Westfalen unterstützt Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte dabei, Jugendlichen einen reflektierten Umgang mit Informationen aus den sozialen Medien zu vermitteln und eine demokratische Informationskompetenz zu fördern. 

Desinformation

Ob in sozialen Netzwerken, Messenger-Diensten oder im Austausch mit Familie und Freunden – Desinformationen sind längst Teil unseres Alltags. Besonders Kinder und Jugendliche kommen häufig mit irreführenden oder falschen Informationen in Kontakt und geben diese oft weiter, ohne deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Die folgenden Unterrichtsideen unterstützen dabei, die Informations- und Nachrichtenkompetenz von Schülerinnen und Schülern gezielt zu stärken. Sie lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen, Quellen zu bewerten und Nachrichten fundiert einzuordnen.

* In einem Stationenlernen der Landesanstalt für Medien NRW (Zuordnungsspiel, Quiz, Gruppenarbeit & Gruppendiskussion) wird das Thema Desinformation in dem Material zur Kampagne "Quelle Vertrau mir" auf unterschiedliche Weise behandelt. Für einen flexiblen und bedarfsgerechten Einsatz in der Schule können aber auch einzelne Stationen verwendet werden.

* Mit dem Newstest, einem digitalen Selbsttest, können Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten im Umgang mit Nachrichten im Internet überprüfen. Dazu bekommen sie Fragen gestellt. Außerdem bekommen sie Nachrichten und Behauptungen gezeigt, die sie einschätzen oder bewerten müssen. Es gibt ihn in verschiedenen Varianten (z.B. als Lang- und Kurzversion) und auch zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten.

Unterstützungsangebot, Melde- und Anlaufstellen

Es gibt eine Vielzahl von Stellen, die Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler bei Problemen mit digitaler Gewalt begleiten und unterstützen. Umfangreiche Angebote im Engagement gegen Gewalt und Cybergewalt bietet die Landespräventionsstelle gegen Gewalt und Cybergewalt an Schulen in NRW. Hier werden u.a. regelmäßig kostenfreie Online-Workshops zu den Themen Cybermobbing und Cybergrooming speziell für Lehrkräfte aus NRW angeboten. (Vgl. #KiN-Arbeitshilfe: Markt der Möglichkeiten (2026): Landespräventionsstelle gegen Gewalt und Cybergewalt an Schulen in NRW | Lehren und Lernen). 

Unterstützung für Betroffene von digitaler Gewalt bieten außerdem die folgenden Beratungs-, Unterstützungs- und Meldestellen:  

* Beratungsstelle Radikalisierung

* Eltern und Medien

* HateAid 

* Juuuport

* Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus

* Nummer gegen Kummer

* Präventionsportal der Polizei NRW 

* Take it down

* ZEBRA 

Weitere Informationen und Links finden Sie zudem im Bereich "Unterstützung" auf unserer Website.

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Bildquelle: Canva

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